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2.0.33 Von einer Freundin, einer Taschenlampe und einem Nachtfalter


Heike und die Wunderlampe.

Erstellt ab 03.10.2019



Ich hatte eine liebe Freundin und wir verstanden uns sehr gut. Ich ludt sie eines Tages mit ihrer Tochter zu meiner Hütte im Wald ein und wir hatten wunderbare Sommerabende.

Was ich aber vorher nicht wusste: Meine Freundin war nachtblind. Wenn es abends dämmerte und ihre Tochter und ich noch gut sehen und gehen konnten, war für meine Freundin schon längst stockdunkle Nacht geworden. Zuerst traute sie sich gar nicht aus der Hütte heraus, weil sie ja draußen in der Dämmerung nichts mehr sah.

Aber ich konnte meine Freundin ganz behutsam überreden, mit mir zusammen, Hand in Hand und unter meiner vollen Unterstützung im Freien einen kleinen Spaziergang zu machen.

Auf einmal blieb meine Freundin stehen und schaute nach oben in die Sterne und sagte:

"Oh, wie wundervoll, da ist ja alles voller Sterne."

Ich war verwundert, denn sie sah ja die vielen beleuchteten Fenster der anderen Hütten nicht. Ja, sie sah noch nicht einmal eine riesige Straßenlaterne, unter der wir hindurch spazierten, obewohl diese Laterne in einem "brutal hellen", leicht bläulichen Neonilcht hernieder strahlte.

Da meine Freundin von Beruf Agraringenieurin war und mit wissenschafltichen Aspekten also sehr vertraut war, erzählte ich ihr von meinen Gedanken:

"Wieso siehst du die Sterne dort hinten, aber diese riesige Straßenlaterne dort drüben nicht ?"

"Könnte das daran liegen, dass die Sterne ja entfernte Sonnen sind, die alle Spektralfarben beinhalten ?"

Sie überlegte, schaute in die Sterne, sagte "schön ...", schaute in Richtung der Laterne und sagte:

"alles schwarz".

Ich fragte sie, ob sie gewillt sei, mit mir ein paar einfache Spektral-Experimente durchzuführen. Sie war neugierig geworden und sagte zu, meinte aber: "Dazu sind doch nicht etwa Spaziergänge im Dunkeln nötig ?"

Sie hatte ein wenig Angst.

Ich konnte ihr diese Angst nehmen und erklärte ihr die Funktion von RGBW-LEDs, mit denen man per 4-Kanal-PWM fast jedwede additive Spektralfarbe im sichtbaren Spektrum des Lichts herstellen könne. Weiterhin garantierte ich ihr dass keinerlei Experimente draußen im Dunkeln nötig würden.

Sie war neugierig geworden und sagte zu.

Ich freute mich und baute die entsprechende PWM-Steuerung in RGB-Technik auf.

Den "Key", das "W" (weiß) ließ ich weg, denn ich könnte ja damit das Ergebnis aus Versehen verfälschen.

Dann saßen wir wieder eines Tages bei meiner Freundin draußen am Gartentisch und grillten schön und die Tochter meiner Freundin war sehr gespannt auf das nun folgende Experiment.

Ich sagte zu der Tochter:

"Wir spielen heute mit deiner Mama Farben gucken. Machst du mit ?"

"Au ja, wie geht das Spiel ?" rief sie und setzte sich an den Tisch.

Ich erklärte den beiden das Experiment:

"Nun, wir grillen schön, bis die Dämmerung herein kommt. Und dann hole ich meine Spezial-Taschenlampe hervor und dann schauen wir mal wie deine Mama damit im Dunkeln gucken kann."

Meine Freundin und auch ihre Tochter hatten nun gar keine Angst mehr und willigten ein und wir ließen und unser Grillgut schmecken, denn es war ja noch lange hell.

Es wurde ein wundervoller Sommerabend und Placebo-Effekte (wie etwa Angst) waren uns so fremd wie nie.

Ich holte bei beginnender Dämmerung meine selbst gebaute RGB-Taschenlampe hervor und zeigte sie zuerst der Tochter meiner Freundin.

Die schaute sich die kleine Platine mit einem Quadrat aus RGB-LEDs darauf sehr interessiert und lange an und sagt zu mir:

"Sowas kannst du bauen ?"

"Ja. Ich bin ja von Beruf Elektroniker. Da muss man sowas sogar bauen können."

"Ach, interessant, ich möchte aber lieber Tierärztin werden", rief die Tochter.

"Da wünsche ich dir viel Erfolg auf dem Weg dort hin", sagte ich.

Die Mama, meine Freundin, räusperte sich und meinte sie würde so langsam nichts mehr sehen.

Ok, ich begann also mit allen gemeinsam das Experiment:

Ich leuchtete mit der RGB-Taschenlampe auf ein Stück weißes Papier und begann, die Farbe Rot langsam hochzudimmen.

"Ich sehe nix", sagte meine Freundin  und die Tochter meinte "Ach Mama, das ist die Farbe Rot".

Ich dimmte Rot wieder herunter und dimmte blau etwas hoch.

"Oh", rief meine Freundin, "jetzt hast du wohl Gelb an ?"

"Ach Mama", rief die Tochter "das ist knalliges Blau, wie bei dem Blaulicht bei der Feuerwehr".

Jetzt dimmte ich Blau wieder herunter und dimmte Grün langsam hoch.

"Boah", rief meine Freundin, "ich kann sehen", alles weiß, schönes, gutes Weiß, leicht gelblich.


"Hey", rief ich, "Experiment geglückt,
Du kannst im Dunkeln grünes Licht sehen !"


"Was bedeutet das ?", fragte meine Freundin noch etwas durch das geglückte Experiment beeindruckt. Ich erwiderte, dass ich nun in der Lage wäre ihr eine sepzielle Taschenlampe zu bauen, mit der sie auch selbstständig abends im Dunkeln aus dem Haus gehen könne.

"Los, mach !", rief sie und freute sich sehr auf die Taschenlampe.

Ich bekam einen dicken Kuss von meiner Freundin.

Also setzte ich mich einen Nachmittag hin und schaute im Datenblatt der RGB-LED nach, welche Wellenlänge die grüne LED darin wohl hat. Und siehe da, es war ziemlich genau die selbe Wellenlänge, die normale grüne LEDs haben, nämlich rund 525 Nanometer. Ich wählte ein 10er Päckchen ultralhelle, grüne LEDs bei www.pollin.de aus und lötete sie mitsamt der nötigen Vorwiderstände auf eine quadratische Lochrasterplatine und klebte diese Platine auf ein Batteriegehäuse mit Schalter.

Fertig war die Spezial-Taschenlampe.

Beim nächsten Grillabend präsentierte ich in der Abend-Dämmerung die fertige Taschenlampe. Meine Freundin war begeistert und leuchtete wie ein kleines Kind mit dem grünen Lichtstrahl herum und freute sich jedesmal, wenn sie im Dunkeln eine Sache erkannte:

"Oh, guck' mal, dahinten stehen Fahrräder."
"Uih, dort ist da der Busch an der Ecke, sieht interessant aus, im Dunkeln."
"Kuck mal hier, hier liegt noch eine vergessene alte Chips-Tüte im Gebüsch"



Ich schenkte meiner Freundin die Taschenlampe.

Fortan war grünes Licht meine Lieblingsfarbe geworden und ich stellte die meisten meiner RGB-LED-Lampen in meiner Wohnung auf grünes Licht zu Ehren meiner Freundin und aus Freude über das geglückte Experiment ein.

Später erkannte ich auch noch, dass die anbendlichen "Flatterviecher" wie Nachtfalter und so weiter nicht von grünem Licht angelockt werden und man weitestgehend Ruhe hat, wenn man abends im Sommer seine Wohnung in Grün beleuchtet. Außerdem ist grünes Licht recht angenehm, wenn man sich die Lichtintensität per PWM angenehm einstellt und etwas herunter dimmt.

Der Effekt mit den Nachtfaltern und dem grünen Licht ist aber schon länger bekannt, wie ich aus dem Internet erfuhr. Das grüne Licht hat offenbar keine große Wirkung auf die Phototaxis der Nachtfalter.

In jenem Jahr hatte ich auch den Eindruck, dass auch weniger Stechmücken in meiner Wohnung anzutreffen waren.

Auch heute noch (etwa ein Jahr später) denke ich noch oft an meine Freundin und an die Experimente, die richtig wissenschaftlich waren und zu einem so eindeutigen Hilfsmittel für Nachtblindheit geführt haben.


Um meine einzige weiße Lampe in meiner neuen Wohnung tanzte gestern eine einsame Motte.

Ich fing sie und setzte sie nach draußen zurück.

Dorthin, wo sie auf dem Balkon meine grüne Lampe nicht stört
und sie sich wieder gut an den Sternen und am Mond orientieren kann.


Ich denke oft zurück.


Ob sie da oben im Himmel wohl auch eine grüne Lampe braucht ?



(Heike S. anno 2018 am LIDO-Strand in Wesendorf.)

In memoriem.

Mach's gut, Heike.

Wir hatten eine tolle Zeit.

Danke für alles.







Fühle in dich hinein.






Ich wünsche allen Lesern

  gute, wissenschaftliche Aha-Effekte.










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